Der Serieblog

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Achsen-Apnoe

Blutet der Landy aus allen Poren wie ein abgestochenes Schwein, dann liegt das nicht selten an vertopften Entlüftungsdomen. Der Landy ist ein rauher Geselle für rauhe Gegenden. Aber daraus den Schluss zu ziehen, dass der Landy, weil robust, keine Wartung und Pflege braucht ist ein fataler Irrtum.
Und das Ding wurde ganz offensichtlich in den letzten fünfzehn Jahren oft difftief durch den Acker getrieben, aber selten richtig gewartet.
Einmal richtig zugesetzt ist ein Druckausgleich durch die Ventile nicht mehr möglich. In Folge erfolgt der Druckausgleich eben über die Dichtungen und Simmeringe: der Landy ölt wie eine Gießkanne, der Nachbar schreit Öko-Alarm, Gutmenschen holen Ihre Kinder vorsorglich von der Straße und rotten sich in Antigeländewagentrerror-bürgerinitiativen zusammen. Demonstrationen, Lichterket-ten, Redner, Megaphone, Flugblätter, – Kurzum: ein Riesenrummel, in dessem Epizentrum zwei blöde kleine Blechnippel auf den Achsen prangen. Zeit sich mit einem 15er Maul unter den Liebling zu werfen und den Appendix delicti zu extrahieren.

Im Licht der Werkstattlampe sieht man eindeutig: da geht nix mehr. Das wird auch durch den finalen Test am lebenden Objekt bestätigt, das Blasinstrument verfärbt sich rot, ergo, der Nippel ist dicht. Bis auf Sternchen vor den Augen, keine Veränderung.

Unter der Drahthexe wird der Knubbel vom Oberflächendreck befreit und danach im Schraubstock eingespannt.

Die rundliche Überwurfhülse wird durch einen von oben aufgesteckten Docht gehalten. Den müsste man ja dann von hinten mit einem Durchschlag austreiben können. Angesetzt, ausgeholt, getroffen und…

… erstmal wieder Anlass gehabt unterm Tisch nach dem rechten zu sehen und das Ventil zu suchen. Und zum Ausgleich fürs richtig Denken und falsch ausführen schlage ich mir noch den Kopf an. Na, wenn es hilft. Den Kopf des Ventils würde ich jetzt auch gerne anschlagen, aber leider ist der zu flach, um einen einen Schraubendreher sinnvoll an zu setzen.

Kurz nachgedacht und beschlossen die Sache härter anzupacken: mit der Rohrzange. Selbige von der Wand geangelt und den Hundling aufrecht eingespannt. Ein paar Drehbewegungen später hat man ihn dann in der Hand.

Diese Spuren am Docht wollte ich mit dem Durchschlag vermeiden. Aber an der Funktionalität ändert das nichts. Ich gehe trotzdem heimlich mit der Feile etwas bei, wer weiß schon, wer mal unter meinen Landy schaut.

Zerlegt und gereinigt. Wichtig ist die seitliche Austrittsöffnung mitzureinigen. Die übersieht man gerne, weil der Schmodder sich nahtlos in die Öffnung schmiegen kann. Ohne die ist das ganze jedoch eine reine Beschäftigungstherapie. Reinigt man diese jedoch mit, rettet man seine Ökobilanz. Das Teil muss nicht nochmal hergestellt werden. Als Bonus erspart man sich den Ärger mit billigen chinesischen Nachbauten, die man a.) oft erstmal überhaupt funktionsbereit machen muss und b.) dann auch noch passend schnitzen darf.

Eigentlich wäre es ja nur eine ganz einfache Tätigkeit, aber fürs Kopfanschlagen unterm Tisch hab ich mir Skill-Level Zwei verdient.

(Dieser Artikel wurde aus gegebenen Anlass aus dem ganz alten Serieblog wiederhergestellt.)

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Posted in Bastelbude.

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